Die sanfte Gymnastik erfreut sich großer Beliebtheit:
»Schmerzferien« dank Yoga

Für viele ist Yoga die neue Trendsportart: Egal, ob zur Gesundheitsprävention, zur Schmerzreduktion oder einfach, um einen Ausgleich im Alltag zu schaffen – Yoga ist das neue Heilmittel. Doch was genau ist eigentlich Yoga? Ein Besuch im Yogakurs von Susann Rittner bringt Licht ins Dunkel. Rittner ist die Geschäftsleiterin des »Sportcentrum Nürnberg« und bietet seit August 2009 Hatha-Yoga auf Basis der ayurvedischen Marmalehre an. Sie selbst hat vor sechs Jahren eine dreijährige Ausbildung zur Lehrerin im Yogaforum München absolviert. Auch in Zukunft wird sie an Fortbildungen teilnehmen.

Es gibt viele verschiedene Arten und Formen der 3000 Jahre alten indischen Lehre. Sie unterscheiden sich in ihrer Philosophie und Praxis. Die Marmalehre grenzt sich von dem Wellness- und Esoterikgedanken ab. Das Yoga zielt auf 107 Marmapunkte im Körper: Diese Punkte sind besonders vitale Stellen im Körper, deren Verletzung zum Ausfall lebenswichtiger Funktionen führen kann. Bei Stress oder falschen Bewegungsmustern verkrampfen die Marmapunkte im Muskelsystem. Dies kann zu Beschwerden wie Rücken-, Kopf-, Gliederschmerzen oder Ähnlichem führen.

Wer also glaubt, Yoga sei nur etwas für »Birkenstockträger« oder »Müsliesser«, der hat sich getäuscht. Yoga zielt auf einzelne Muskeln oder zusammenhängende Muskelsysteme und wirkt sich über diese auf das Nervensystem aus. Durch regelmäßiges Üben werden Körperregionen, die zu passiv sind, aktiviert und gestärkt. Regionen, die zu aktiv sind, werden gedehnt und beruhigt. Die einzelnen Marmapunkte werden durch verschiedene Yogaübungen so beansprucht, dass der Körper lernt, bei anstrengenden Übungen nicht zu verkrampfen, sondern jeden Punkt des Muskelsystems richtig einzusetzen.

Weil jeder andere Tätigkeiten im Alltag ausübt, unterscheiden sich die Körperregionen, die zu wenig oder zu viel beansprucht werden, von Mensch zu Mensch. Ob man in seinem Beruf viel sitzt, steht oder läuft ist dabei von großer Bedeutung, und wirkt sich auf den Körper unterschiedlich aus.

Yoga stärkt die Wahrnehmung des eigenen Körpers, denn man lernt, falsche Bewegungsmuster zu erkennen und diese zu ändern. Dadurch wird Muskulatur aufgebaut und der Körper lernt, sich zu entspannen. Das beruhigt wiederum das Nervensystem. Insgesamt verbessert sich somit das psychosomatische Wohlbefinden. »Yoga zeigt einen neuen Weg auf. Man lernt einen gesunden Umgang mit seiner Wahrnehmung«, erklärt die Kursleiterin Rittner.

Die Tendenz der Yogaliebhaber ist steigend. Die Zahl der Kurse ist innerhalb von einem Jahr von zwei auf sechs gestiegen. Für Einsteiger wie Fortgeschrittene ist etwas dabei. Häufig kommen Menschen im Alter von 16 bis 60 Jahren mit stressbedingten Beschwerden wie Tinnitus oder Rückenproblemen. »Meist kommen die Menschen erst, wenn es weh tut«, erklärt Rittner. Optimal wäre es schon zur Prävention, denn auch für gesunde Menschen und Sportler ist Yoga ein perfekter Ausgleich zum Alltagsstress. Für den Kursteilnehmer Florian Häferle ist Yoga »eine Investition in die eigene Gesundheit bis ins hohe Alter. Yoga beansprucht die Muskulatur und man lernt, sich mehr auf sich selbst und sein Körperbewusstsein zu konzentrieren.«

Das Feedback der Kursteilnehmer fällt durchweg positiv aus. Viele meistern ihren Alltag entspannter, können besser schlafen und fühlen sich insgesamt gesünder. »Erst durch Yoga fallen falsche Bewegungsmuster im Alltag auf. Ich bin überzeugt, dass es nichts Besseres für den Rücken gibt«, so Kursteilnehmerin Michaela Eckert.

Rittner freut sich über den offensichtlichen Erfolg ihrer Kurse. Die Menschen haben verstanden, dass Yoga »etwas ist, was man weiter machen muss«. Sie binden die Übungen in ihren Tagesablauf und damit in ihr Leben ein. Eine einfache Behandlung bringt meist nur für kurze Zeit Besserung. Durch regelmäßiges Yoga wird die Muskulatur aufgebaut und das eigene Körperbewusstsein wird gestärkt. Man lernt seine eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen. »Die Kursteilnehmer haben den Yoga-Gedanken verstanden« und haben deshalb »Schmerzferien«, betont Rittner abschließend.

Sophie Schäfer 26.4.2010 ©
NÜRNBERGER ZEITUNG